Qualifizierungsmaßnahmen
Um die 70-Prozent-Eingliederungsquote nach der Qualifizierungsmaßnahme zu
erfüllen, werden Frauen aufgrund der tendenziell ungünstigen
Eingliederungsprognose weniger berücksichtigt.
Seit 2003 hat sich bundesweit die Zahl der Ablehnungen von
Qualifizierungsmaßnahmen vervierfacht – zwei Drittel hiervon betreffen
Frauen.
Ich-AGs
Ich-AGler sind oftmals nur "Teilzeit-Selbstständige" mit
anderweitiger Absicherung der Existenzgrundlage (Zuverdienst für die Frau mit (Ehe-)Partner).
Minijobs
Seit jeher ist die geringfügige Beschäftigung eine typische
"Frauenbeschäftigung". Ihr Anteil macht ziemlich konstant zwei
Drittel aus. Verschärftes Lohndumping führt dazu, dass Mini-JobberInnen für
den bisherigen ohnehin geringen Lohn unter Umständen mehr Arbeitsstunden
abverlangt werden.
Minilohn bedeutet Minirente; Minirente heißt Altersarmut.
Personen ohne ALG-II-Anspruch
Über die Anrechnung des Partnereinkommens fallen ca. 500.000 Personen über
Anrechnung des Partnereinkommens oder des eigenen Vermögens aus dem
Leistungsbezug. Von diesen sind drei Viertel weiblich. Verschärfend ist die
damit faktisch verbundene Ausgrenzung aus der aktiven Arbeitsförderung..
Die Zumutbarkeit jeglicher Arbeit
im Bereich des ALG II kann dazu führen, dass Frauen vorrangig bis
ausschließlich auf Mini- oder 1-Euro-Jobs und verwiesen werden.
Personenbezogene Dienstleistungen
In diesem zum überwiegenden Anteil mit Frauen besetzten Arbeitssegment wird
anstelle der wirtschafts-, sozial- und frauenpolitisch notwendigen Aufwertung
die vorhandene und potenzielle Beschäftigung durch Niedriglohnkonkurrenz
verdrängt und entwertet.
Fazit
Das gegenwärtige Leitbild der Familie mit männlichem Haupternährer und
hinzuverdienender Ehefrau wird verstärkt.
Feministische Aspekte in den Wirtschaftswissenschaften haben generell einen eher
marginalen Stellenwert, und eine Beachtung von geschlechterdifferenzierten
Unterschieden erfolgt überwiegend nicht.
Sabine Grizewitsch (HALZ-Mitherausgeberin)