Anlässlich der Bekanntgabe der aktuellen Arbeitsmarktdaten veranstaltet der Arbeitskreis
Arbeitslose Linden monatlich eine Aktion vor der hannoverschen Agentur für
Arbeit.
Das Motto der vom 4.August 2004 lautete: "Hose runter" für's ALG II.
Natürlich rannte niemand mit offener Hose durch die Gegend. Die lindener
Arbeitslosen wollten deutlich machen,
dass mit den (datenschutzrechtlich umstrittenen) Formularen wirklich alles an
Vermögen, Barschaft und Geldwertem erfasst wird. Außerdem wird das Recht auf informationelle Selbstbestimmung bei vielen Millionen von
Menschen außer Kraft gesetzt.
Die auf einer Wäschenleine aufgehängten 16 Formularseiten für den Antrag demonstrierten
besonders plakativ bürokratische Haltlosigkeit.
Gruppenvertreter führten ausführliche und intensive Gespräche mit
Medienvertretern und vor allem mit Erwerbslosen. Die Wut,
Fassungslosigkeit und das Unverständnis über die ab 2005 greifenden Änderungen
für AlHi-EmpfängerInnen ist kaum in Worte zu beschreiben! Viele können es
schwer glauben, dass sie nach jahrzehntelanger Erwerbstätigkeit mit jemanden
gleichgestellt werden, der noch nie einen Euro in die Sozialsysteme eingezahlt
hat.
Eine ältere Frau beklagte die Formulare. Die Schrift wäre ohne Brille nahezu
unleserlich und die Ausdrücke im besten Amtsdeutsch.
Eine Reporterin fragte, ob man mit 345 Euro monatlich leben könnte. Leben ja -
fragt sich nur wie! Für Betroffene wird das gesellschaftliche Leben (Kino,
Theater, Kneipe,...) noch weniger als gegenwärtig möglich sein. Es herrschte
Einigkeit darüber, dass die Verelendung von Stadtteilen fortschreitet, die
Anzahl Wohnungsloser steigt, mehr Leute in Suppenküchen essen und dass die
Kriminalität steigt.
Die verteilten Flugblätter zu den Montagsdemos* (ab September in
Hannover-Linden) machten deutlich, dass der Protest weitergeht.
*Initiator dieser Demos ist die "Agenda
2010 kippen"-Initiative.
Sabine Grizewitsch